Barbara Eder

„Coming to Power“? Sexualisierte Gewalt in Comics

In Bezug auf die subversive Infragestellung hegemonial-vergeschlechtlichter Macht- und Gewaltregime ist das Medium Comic nicht frei von einer Geschichte der Ambivalenzen: obwohl es gerade der Verdacht der Gewaltverherrlichung war, der seit den 1950er Jahren zu Zensurmaßnahmen im Mainstream-Comic geführt hat, blieben strukturelle Repräsentationen gewaltförmiger Geschlechtergeschichte(n) davon weitgehend unangetastet. Paradoxerweise fand ein reflexiver Umgang mit Gewaltförmigkeit gerade in jenen Genres statt, die dazumal als „jugendgefährdend“ galten: so etwa vergnügten sich in Tom of Finlands Kake-Comics schwule Superhelden im kontrollierten Rahmen eines SM-Spiels, Eric Stanton und Guido Crepax fertigten Bilder von dominanten Frauen in Serie an, die den Ladentisch zensurbedingt ebenso wenig passieren durften.

Im Rahmen des Vortrags wird danach gefragt, ob von derartigen, oftmals zensierten Bildern ein Befreiungspotenzial für queer-feministische Subkulturen ausgegangen ist. Verwiesen wird vor allem jedoch auf die alternative Geschlechter-Ikonografie im Independent-Bereich der letzten Jahre. So etwa weist die inter*geschlechtliche Zeichner*in Trouble X in ihren Zines jegliche Form der Vereindeutigung von Geschlecht als Akt repräsentativer Gewalt aus. Der britische Zeichner* Dr. Geoff hingegen parodiert in seiner Serie Fetishmen die Ernsthaftigkeit eines gleichgeschlechtlichen Vertrags: seine Helden Fetishman und Lactose Intolerant Boy trinken in Fetishman #14 – the gender issue miteinander Tee und wundern sich über alle weiteren Zuschreibungen von Geschlecht.

Barbara Eder ist freie Wissenschafter*in. Studium der Soziologie, Philosophie, Theater-, Film- und Medienwissenschaften und der Gender Studies in Wien, Berlin und Frankfurt/Main, Promotion 2014 mit einer Arbeit zu Migrationsdarstellungen in Graphic Novels. Lehrtätigkeiten an Universitäten in Wien, Linz, Klagenfurt, Debrecen (Ungarn) und Jerewan (Armenien).

Kontakt: barbaraeder@me.com

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