Birgit Haehnel

Bilder der Sklaverei damals und heute – eine postkoloniale Perspektive

War der transatlantische Sklavenhandel ein von den europäischen Kolonialgesellschaften legitimierter Wirtschaftsfaktor und somit offen sichtbar, so ist die Sklaverei heutzutage zwar verboten, findet nun aber im Verborgenen statt. Aus diesem Grund existierte lange kein öffentliches Bewusstsein und auch nicht wirklich ein klares Bild davon in der Öffentlichkeit. Einschlägige Publikationen wie die von Kevin Bales und kritische Auseinandersetzungen mit Migrationsbewegungen wecken zunehmend ein kritisches Bewusstsein für heutige Missstände. Durch die zunehmende Thematisierung scheint auch der Bedarf an Bildern zu wachsen. Obwohl sich der heutige Menschenhandel von der alten Sklaverei unterscheidet, sind die Visualisierungen von den historischen Vorbildern Europas an den transatlantischen Sklavenhandel geprägt. Wird damit auch eine ähnliche Bildpolitik verfolgt? Im 18. Jahrhundert inszenierten Grafiken und Karikaturen die Unterwerfung der Schwarzen als erotisches Gewaltspektakel, um gegen die Sklaverei Stimmung zu machen. Die Wahrnehmung blieb jedoch zwischen Faszination und Entsetzen ambivalent und bediente neben abolitionistischen Interessen auch einen hegemonialen Voyeurismus. (Melanie Ulz 2013).

Der Vortrag beleuchtet exemplarisch Bilder im Kontext der neuen Sklaverei und deren ikonografische Bezüge zur Kunst- und Bildgeschichte Europas. Wie werden Formen der neuen Sklaverei zu sehen gegeben und was bleibt unsichtbar? Es ist nach dem Blickregime und dem verantwortlichen Blick der Betrachtenden zu fragen, weswegen über die Bildanalyse hinaus Formen der Zirkulation von Wahrnehmungen und Betrachter_innen-Positionen zu berücksichtigen sind. Kritische Positionen aus der Gegenwartskunst und dem Ausstellungswesen werden auf ihre Brauchbarkeit hinsichtlich einer emanzipativen Bildpolitik geprüft.

Birgit Haehnel ist Kunsthistorikerin mit dem Schwerpunkt der postkolonialen Genderforschung im Bereich Kunst und visuelle Kultur des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart und zurzeit Lehrbeauftragte der Universität Duisburg-Essen und der Philipps-Universität Marburg. 2014 beendete sie das universitäre Forschungsprojekt zur Bedeutung weißer Textilien vor dem Hintergrund der Critical Whiteness Studies / Kritischen Weißseins-Forschung an der TU Darmstadt in Kooperation mit dem CePoG Universität Trier. Lehre, Vorträge und Publikationen befassen sich mit der Kunst im 17., 19. und 20. Jahrhundert, Kunsttheorie, Mobilitätskonzepte, Migration, Mode & Textilien im globalen Kontext, Trauma, Erinnerung und Kulturdenkmäler (Sklavereigeschichte / UNESCO Welterbe) sowie Biopolitik.

Kontakt: birgithaehnel@web.de