Ins A Kromminga

Zwitter Panik – Herm Power

Die Abbildung eines Neugeborenengenitals. Umrahmt ist diese Abbildung von einem medizinischen Text, der von Störung, Abweichung, Uneindeutigkeit und vom hormonellen, chirurgischen Eingreifen spricht. Wenn die Rede von einem Jungen ist, wird der Phallus als ein zu kleiner Penis interpretiert. Wird das gleiche Bild einem Mädchen zugeschrieben, ist der vorher zu kleine Penis plötzlich eine zu große Klitoris. In beiden Fällen ist es Auslegung, was gesehen wird und wie die Realität erscheint: Beide Male ist das Kind ein defektes/unfertiges/gestörtes Mädchen oder Junge. Ein Herm-Künstler_in nimmt das gleiche Bild und setzt eine andere Bildunterschrift darunter („Babyherm und seine MuPi“) oder stellt es in einen anderen, nicht-medikalisierenden, Kontext. Es entsteht eine weitere, alternative Realität.

Die Definitionshoheit, die Medizin in unserer Gesellschaft innehat, bestimmt, welche Realität prägend ist. So wird die weibliche Genitalverstümmelung (FGM) in unserer „zivilisierten“ Welt als Verletzung des Menschenrechtes auf körperliche Unversehrtheit angesehen. Die Verstümmelungen an intergeschlechtlichen Körpern und Genitalien unter dem Deckmantel der medizinischen (und hygienisch-technologisch einwandfreien) Hilfeleistung bisher aber nicht.

Wie kann Kunst solche hegemonialen Realitätsbilder aufgreifen, umformen und verqueeren? Und eignet sie sich gar als Kritik und zum Empowerment?

Ins A Kromminga lebt in Berlin; 1991-98 Studium an der HfK Bremen und 2000-02 an der Tulane University in New Orleans/USA. Ausstellungen im In- und Ausland, unter anderem in Berlin, Frankfurt/Main, Bremen, USA, Indien, Spanien, Schottland/UK, Irland. In 2012/13 Lehrauftrag/Workshops an der HfK Bremen. 2011 Visiting Artist an der University of Georgia in Athens, GA USA. 2010/2011 Lehrauftrag an der Muthesius-Kunsthochschule Kiel. 2008 Arbeitsstipendium des Künstlerhaus Schloss Balmoral. 2005 Co-Kuration der Ausstellung 1–0–1 [one ó one] intersex in der nGbK, Berlin. Ist außerdem Sprecher_in der deutschen Vertretung der Internationalen Vereinigung Intergeschlechtlicher Menschen, Organisation Intersex International (OII Germany).

Kontakt: ins@abject.de